Der Broccoli-Mann

Bei mir um die Ecke gibt es einen Optiker, der „Sehgang“ heißt. Ein hipper Laden für hippe Menschen, die niemals zu Fielmann gehen würden.

Vor dem Laden steht in einem riesigen Topf mit Erde ein Bäumchen, von dem ich mich schon immer gefragt habe, ob es ein viel zu groß geratener Broccoli oder ein wild gewordenem Grünkohl ist. 

Genau dort ging ich vorbei, als ein junger Mann auf mich zu sprang. Ob ich ihm eben mal helfen könne. Aha, dachte ich, auch hippe Optiker brauchen Hilfe. 

Er ging zu dem Broccoli, beugte sich hinunter und zerrte mit ganzem Körpereinsatz an dem Kübel. Ich stand daneben und wartete auf Anweisungen.

Nach einer Weile vergeblichen Zerrens, wandte er sich zu mir um, viel Verzweiflung im Blick und -wie ich jetzt bemerkte - viel Alkohol im Blut: 

„Eigentlich suche ich nur jemanden, mit dem ich etwas unternehmen kann. Weißt du, eine Freundin…“ 

Da stand ich nun mit meinen Einkaufstaschen und wusste nicht, was ich sagen sollte. Stammelte irgendetwas und beobachtete fasziniert, wie er weiter versuchte den Kübel wegzutragen, bis eine echte hippe Optikerin aus dem Laden gestürzt kam und ihm mit der Polizei drohte.

Broccoli-Man – you made my day.