Kinderwagenkarawane

Wenn ich morgens durch Altona hetze, auf dem Weg zu einem wahnsinnig dringenden Termin (zur Arbeit wahrscheinlich), dann kommt mir eine Karawane entgegen. Frauen und Männer, die mit gesenkten Köpfen Kinderwägen vor sich her schieben, den Kaffeebecher an den Wagen geklemmt, mit einer Hand steuern, mit der anderen das Handy halten und gestikulieren. Im Stechschritt losmarschiert zu einem wahnsinnig dringenden Termin (zur Arbeit wahrscheinlich).

Die Kinder, die so durch die Welt verfrachtet werden, sind … so alt wie Kinder in Kinderwägen eben sind: ein Jahr, anderthalb, zwei. Sie sitzliegen in ihren Buggies, festgeschnallt wie Astronauten, den Schnuller im Mund, und stieren geradeaus, während die Welt an ihnen vorbei rast.

In solchen Momenten kommen sie mir vor wie Fracht. Wie Pakete, die ausgeliefert werden. Ich habe mich bei der Frage ertappt, ob das morgendliche Kinderausliefern nicht ein Job wäre für DHL.

Manchmal wenn die Karawane auf mich zu rollt, zoome ich mich heraus. Was um Himmels Willen würden Außerirdische denken, die das von oben beobachten? Große Lebewesen, die kleine Lebewesen in ein seltsames Gefährt schnallen – oft genug unter dem lauten Protest der Kleinen – um dann in einem Affenzahn durch die Stadt zu rennen, eine Flüssigkeit aus Pappbechern in sich hinein zu schütten und laut und schnell in ein Metallding zu sprechen.

An einer Sammelstation werden die kleinen Lebewesen aus den Gefährten ausgeladen, die Großen schwärmen aus in alle Himmelsrichtungen. 

Nachmittags um 4 schwärmen sie aus allen Himmelsrichtungen wieder ein, ziehen die kleinen Lebewesen aus der Sammelstation, schnallen sie im Gefährt fest und hetzen  in die Richtung, aus der sie morgens gekommen sind. Ein seltsames Bild.

Und manchmal zoome ich weg von den Außerirdischen und hinein in ein Kleinkind, und ich frage mich, wie das wohl ist, morgens geweckt, angezogen und zum Essen genötigt zu werden, in einen Schneeanzug gestopft und in einen Wagen geschnallt. Und wenn man dazu mal was sagen möchte, auf so eine 1-jährigen Art eben (oder gar protestieren), dann hat man ruckzuck einen Gummistöpsel im Mund.

Und schon rast die Welt links und rechts an einem vorbei.

Spätestens an dieser Stelle muss ich darauf hinweisen, dass ich es so oder so ähnlich auch mit meinen Kindern gemacht habe, als sie im „Ab in den Buggy, zackzack zum Kindergarten“-Alter waren. Aber jetzt sind sie größer, und mein Abstand ist es wohl auch, und manchmal starre ich fassungslos auf die Karawane und frage mich, ob wir alle noch ganz gut beisammen sind.